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Bo’teca di vino: Grinsebäckchen

[Stuttgart/Botnang]

Nein, Mehmet Scholl wurde meines Wissens hier noch nicht gesichtet. Dabei herrscht im Bo’teca di vino doch „Understatement“ pur – im allerbesten Sinne: ganz ohne Pseudo-SVU auf dem Golfclub-Parkplatz und ganz ohne steifes Nobelklitschen-Chichi. Dafür konzentriert sich Sebastian Werning in seinem kleinen Restaurant, einer ehemaligen Bäckerei in Stuttgart-Botnang, mit gelassenster Selbstverständlichkeit auf das Wesentliche: großartige (Gaumen-)Erlebnisabende.

Die beginnen schon bei der Begrüßung, gerne auch mal mit einem Scherz auf Kosten des Gastes. („Muss ich mal schauen: Nein, sorry auf den Namen ist kein Platz reserviert.“) Der Herr des Hauses ist eben ein freundlicher Mensch mit trockem Humor – und vor allem mit zwei begnadeten Händchen für besondere Zutaten, Küchenkreationen und Tröpfchen.

Ein sehr gutes Beispiel dafür am heutigen Abend mit Bio-Winzer Jochen Beurer: Risotto mit dünnen Scheiben selbst fabrizierter Speckwürstchen und Belper Knolle. Dass Werning italienische Reisgerichte (und diese Schweizer Käsekugel) liebt, schmeckt man sofort: sämig, würzig, verspielt, ein Traum. Aber was dann passiert, als sich der erste Schluck von Beurers Grauburgunder mit dem Risotto-Geschmack verbindet, macht einfach nur noch sprachlos und glücklich! Besser geht nicht.

Aber gleich gut schon: Als Hauptgericht warten schließlich die Bäckchen vom Rechberger Rind und zahlreiche Fragen: Wie bekommt er das Fleisch dazu, dass es auf der Zunge zu schmelzen scheint? Wie kann dieses Kartoffelgratin sahnig-rund und doch überhaupt nicht mächtig sein? Wieso ist mir dieser dunkelbeerig-rubinrote Essensbegleiter namens Secundus vorher noch nie begegnet? Halten mich die anderen Gäste für wahnsinnig, weil ich diese Grinsebäckchen nicht mehr aus dem Gesicht bekomme? Das wäre ja noch in Ordnung – aber hoffentlich hält mich deswegen niemand für Mehmet Scholl!

 

allesesser Bewertung: 1

 

 

 

 

 

 

 

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