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Wielandshöhe, Vincent Klink – Nicht nur die Zacke ist auf Zack

[Stuttgart]

Im Februar aus der Erinnerung heraus einen Gastbeitrag zu einem Essen am 13. Dezember 2012 zu schreiben, ist eine kleine Herausforderung an das gustatorische Erinnerungsvermögen. Aber es heißt ja: Bildung ist das, was übrigbleibt. Auf Lecker-Essen übertragen folgere ich daraus: Was gut zwei Monate an Erinnerung „haften“ geblieben ist, hat höhere kulinarische Lobenhymnen auch verdient.

Also los: Winterliche Anreise mit dem Nahverkehr – die Zacke ist auf Zack. Zwar heisst es „Fährst Du mit der Zackenbahn, spürst du jeden Backenzahn“ (Siegfried Bassler), aber bei winterlichem wetter und geschlossener Schneedecke ist es mehr als angenehm, direkt vor der Wielandshöhe aus der Bahn zu hüpfen.

Der Service freundlich und gut. Als Gruss aus der Küche ereilt uns ein Quiche, dessen Luftigkeit und zarter Duft mir heute noch den Mund wässrig machen. Ein rot gefülltes Töpfchen, das von der Optik her auch ein Nachtisch sein könnte, erweist sich als ein knurpsig-leckeres Rote-Beete-Etwas mit Kräuterdressing, das mich anregte, Rote Beete auch im eigenen Speiseplan mehr Aufmerksamkeit als bisher zuzuwenden, was ich mittlerweile schon umgesetzt habe. Lecker z.B. Geraspelte rohe Rote Beere im Salat.

Die nächsten beiden Gänge waren tadellos, haben aber – nach zwei Monaten – in meinem Hirn keine feuernden Synapsen mehr. Die Erinnerung, dann allerdings euphorisch, setzt erst bei einem Ravioli in duftend-mundender Brühe wieder ein. Ja, warum kann ich sowas Feines nicht alle Tage haben? Mal wieder sich die Zeit und die Ausdauer nehmen und allerhand zur Essenz versuppen …
Das Lamm toppt alles, besser könnte es nicht sein.
Und ein Sorbet tüpfelt das Pünktchen aufs i, ausgewogen abgeschmeckt und genau die richtige Menge als Zwischenerlebnis.
Mein Dessert sitzt in einem Maracujaspiegel und ist gekrönt mit einem knusprigen Ananasstern, was ihm beides gut bekommt. Das Mittelstück dazwischen ist mir ein wenig zu süss, ich merke, dass ich mit meinem sonst minimalen Zuckerkonsum mich anders kalibriert habe als der Durchschnitt. Dafür kann ja die Wielandshöhe nix.

Vom Käsewagen wählen wir Tresterkäs und einen Streifen von einem Wagenrad von Bergkäse, beides trefflich und freundlich begleitet von einem in rotwein gekochten Geishirtle. Und die Konditorskunst, die den Espresso begleitet, ist vielfältig und besonnen kombiniert, so daß die Wonnen einen guten Abschluß finden.

Kommentar am Ende des Abends:
„Würd ich alles jederzeit wiederessen, bloß net heut.“
:-)

 

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